Parakanu-Weltmeisterschaft vom 17. bis 21. August 2011

Bei der Kanurennsport-Weltmeisterschaft in Szeged (Ungarn) waren unsere Paracanoe-Athleten Henry Schröder und Gerhard Bowitzky erfolgreich. Gerhard errang Bronze, Henry Platz 4! Es war ein Erlebnis, wie man dem Bericht entnehmen darf.

Die WM war seitens der Organisatoren perfekt vorbereitet. Die Regattastrecke, eine künstliche ca. 2500 m lange Anlage war nach den neuesten technischen Bedingungen aufgebaut. Die Kommunikationsmöglichkeiten wie z. B. Internetzugänge, Live-Übertragungen in jeder Bootshalle ... erfüllten höchste Ansprüche. Eine Werbekampagne in Ungarn, dem Mutterland des Kanusports, übertraf alle bisher für eine solche Veranstaltung üblichen Dimensionen. Die Eröffnungsveranstaltung auf dem Domplatz von Szeged begeisterte die dort auf einer riesigen Tribüne sitzenden ca. 5000 Zuschauer, unter ihnen ca. 1300 Kanuten aus 94 Ländern (Teilnehmerrekord!).

Die Bedingungen für die Paraathleten waren super. Die Stege waren über neue Wege für alle Rollstuhlfahrer sicher erreichbar. Die Sanitäranlagen entsprachen neuesten Anforderungen und in ausreichender Zahl vorhanden und ständig gepflegt.

Das Schwedter Team reiste am 14. August in Szeged an. Erster Termin war nach der Akkreditierung die medizinische Einstufung in die Schadensklassen durch die ICF-Kommission. Laut Reglement, müssen alle Parakanuten zweimal untersucht werden. Danach ist eine Untersuchung nicht mehr erforderlich. Da unsere Starter bereits in Poznan 2010 klassifiziert wurden, sollte in Szeged die zweite und damit letzte Klassifizierung durchgeführt werden. Durch die Vielzahl neuer zum ersten Mal startenden Parakanuten war die Kommission zeitlich so überfordert, dass auf eine zweite Untersuchung für unsere Kanuten verzichtet wurde. Das zeigte, wie schnell sich der Kanusport für Menschen mit Behinderung auf der ganzen Welt innerhalb eines Jahres entwickelt hat. Länder wie, Kanada, Italien, Brasilien, die USA reisten mit fast kompletten Mannschaften an. Viele Länder kamen neu dazu, wie Russland, Hongkong, Singapur, Australien. In den Schadensklassen TA und A (Schwerstbehinderte Klasse) stiegen die Teilnehmerzahlen erfreulicherweise ebenfalls an. Eine weitere Tendenz war die Zunahme von jungen Athleten. Es war zu spüren, dass einige Länder gezielt mit jungen Kadern arbeiten, um sich langfristig auf die ersten Paralympischen Spiele 2016 in Rio vorzubereiten.

Die Wetterbedingungen in Szeged waren zum Teil extrem. Es waren ständig 36 Grad im Schatten und ein strahlend blauer Himmel. Der Wind wehte oft böig und in manchen Böen, gab es sogar kleine Windhosen.

Nach den Klassifizierungen konnte erst am späten Dienstagabend das Programm erstellt werden.

Für Henry ging es gleich in den Endlauf am Donnerstag. Hier musste er sich mit weiteren 7 Konkurrenten auseinandersetzen. In der Mitte der Distanz lag er auf Platz 3. Die notwendigen hohen Schlagfrequenzen konnte er nicht bis ins Ziel realisieren. Das war schon in der Vorbereitung zu erkennen. Den ernormen Kraftzuwachs im Wintertraining konnte er noch nicht in deutliche Zeitverbesserungen ummünzen. Lange wurde nach einem optimalen Paddel für Henry gesucht und viel experimentiert. Da er durch seine hohe Querschnittsbehinderung nicht nach der normalen Technik paddeln kann, stellt die Nutzung eines optimalen Equipments eine wesentliche Leistungsvoraussetzung dar. Um sich dann mit dem neuen Paddel einzufahren, vergeht auch noch viel Zeit. Als 4. konnte er sich im Vergleich zum letzten Jahr um einen Platz verbessern und die Abstände zu den Medaillenrängen deutlich verkürzen.

Alles in Allem, war es ein erfolgreicher Auftritt von Henry bei der WM.

Gerhard Bowitzky musste sich über die Vorläufe für den Endlauf qualifizieren. Neue Mitstreiter und vor allem junge Athleten traten an. Schon bei der Klassifizierung konnten diese Sportler beobachtet werden. Dort müssen sie einen Start und kraftvolle Paddelschläge fahren, um zu prüfen, ob sie auch mit ihrer Behinderung in der Lage sind, einen Wettkampf zu bewältigen. Das stellten vor allem die Athleten aus Brasilien (19 Jahre) und den USA (23 Jahre) überzeugend unter Beweis.

Am Mittwoch trat Gerhard auf der Bahn 8 (unterhalb der großen Tribüne) an. Mit einem perfekten Start ging er sofort in Führung. Eine rhythmische Schlagfolge ohne Steuerprobleme ergaben bei 100 m eine Führung von mehr als einer Bootslänge. Ca. 50 m vor dem Ziel nahm er die Kraft vom Paddelblatt und fuhr in 54 Sekunden über die Ziellinie. Im zweiten Vorlauf fuhren 3 Sportler ebenfalls in 54 Sekunden ins Ziel. Patrik Mahoney aus England, Georg Thomas aus Neuseeland und der 19 jährige Brasilianer boten schon im Vorlauf ein spannendes Rennen.

Den Endlauf am Donnerstag sah Gerhard auf der Bahn 5. Auf der 4 der Engländer (spätere Weltmeister) und auf der 6 der junge Brasilianer (später Platz 4.). Georg Thomas (später Platz 2.) hatte die Nr.2. Da er selbst kein Boot hatte, bekam er aus dem deutschen Team, das Boot von Brit Gottschalk (Wiesbaden), die kurz zuvor die Silbermedaille bei den Frauen erkämpft hatte. Mit einem geliehenen Boot vom Veranstalter, wäre Georg benachteiligt gewesen, da er auch zu hause einen ähnlichen Vaà fährt wie Britt. Für diese sportliche Geste bedankte sich Georg offiziell beim deutschen Teamchef.

Der geplante Rennverlauf sollte an den Mittwoch anschließen. Aber ... Der Start gelang Gerhard überhaupt nicht. So musste er versuchen erst einmal hinterher zu fahren, um an die Spitze zu kommen. Dabei blieb er zu lange in einem viel zu hohen Schlagfrequenzbereich, schaffte den Übergang zum Streckenschlag nicht und übersäuerte schnell. Zwei Steuerfehler schlichen sich bei der hohen Schlagfrequenz ein und dann war das Rennen auch schon vorbei. Mit einer Zeit von über 59 Sekunden war er so langsam wie nicht einmal bei Trainingzeitfahrten in der gesamten Saison. Als Trost blieb die Bronzemedaille und die Hoffnung auf 2012.

Am erfolgreichsten war die dritte deutsche Teilnehmerin. Brit Gottschalk (LTA) vom WSV Schierstein wurde Vizeweltmeisterin. Herzlichen Glückwunsch!

Da im nächsten Jahr durch die olympischen Spiele keine WM bei den Kanuten ausgetragen werden, sollte die WM der Parakanuten zum Weltcup in Moskau ausgefahren werden. Da Moskau nicht über die nötigen Grundvoraussetzungen verfügt, wurde der Weltcup in Duisburg zur Ausrichtung der Para-Kanu-WM vorgesehen. Das wäre dann Mitte Mai nächsten Jahres.

Das Team Para Kanusport beim Wassersport PCK wird sich nach einer Trainingspause zu den Deutschen Meisterschaften im September in München wieder an den Start begeben. Eine Woche später starten sie beim „Saison Kehr Aus“ zur Regatta in Hof.

Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle dem gesamten Team. Dazu gehören: Trainer Fred Mielke, Orthopädie Meister Ingolf Hentsch, Bootsbauerin Mandy Schliemann und Betreuerin Haryth Bowitzky. Für die Bereitstellung eines behinderten gerechten Kleinbusses gilt nochmals der Dank an die Lebenshilfe e.V. Geschäftsstelle Schwedt.

Homepage der Weltmeisterschaft: www.kajakkenusport.hu