Parakanu-Weltmeisterschaft am 17. Mai 2012

Per SMS kam um 11:06 Uhr die Info, dass es Gerhard Bowitzky bei schweren Wind- und Wetterbedingungen geschafft hat: Gerhard ist der Parakanu-Weltmeister 2012. Er hat die beiden vorherigen Weltmeister in Posen geschlagen. Herzlichen Glückwunsch!

Gerhard gewann mit einer Zeit von 54.749 vor Viriamu Patrick (Tahiti, 55.469) und Mahoney Pat (Großbritannien, 59.593).
Henry Schröder gewann sein Vorlaufrennen, kenterte aber leider im Finale. Schade!

Komplette Ergebnisse: www.kayakpl.com

Am 17.5. war es wieder soweit. Die dritten Parakanu-Weltmeisterschaften standen an. Und weil im Olympischen Jahr keine WMs ausgetragen werden, finden offiziell keine Kanu-Weltmeisterschaften statt. Da aber Parakanu aufgrund seine Neuheit 2016 erstmals an den Olympischen Spielen teilnimmt, wurde in diesem Jahr die Parakanu-WM dem Weltcup in Poznan angegliedert.

Wie schon vorher berichtet, qualifizierten sich drei Athleten aus Deutschland (davon zwei Athleten aus Schwedt – Gerhard Bowitzky und Henry Schröder) zu dem WM-Ausscheid.
In den letzten beiden Jahren hat die Entwicklung im Parakanu einen großen Sprung gemacht. Die Teilnehmerzahl und -länder haben sich jeweils verdoppelt und so ist es dann selbstverständlich, dass inzwischen nicht nur Finals sondern auch Vorläufe und Semifinals in den jeweiligen Schadensklassen absolviert werden. Die Vorläufe und Semifinals fanden am 16.5. für Gerhard B. und Henry S. statt.
Henry S. gewann seinen Vorlauf mit einer Bootslänge. Er hatte 9 Gegner zu verzeichnen, wobei man erwähnen muss, dass Henry S. in seiner Schadensklasse TA die schwersten Bedingungen hat.
Henry trainiert 4 x die Woche wie ein Löwe, ist stets motiviert und hat fantastische Fortschritte gemacht. Wenn man bedenkt, dass Henry erst seit 2 Jahren im Boot sitzt und mit den weltbesten seiner Schadensklasse um die Wette paddelt … Hut ab für Henry!

Das Wetter machte es den Teilnehmern leider auch nicht leichter. Es waren 13° C Lufttemperatur und so ein kalter Wind, dass die Wellen im „Maltasee“ in Poznan Schaumkronen schlugen.
Dieser Wettkampf war nur etwas für „alte Kanuhasen“, die mit Paddel und Boot in jeder Situation umzugehen wussten.
Beim Endlauf ist Henry leider das Wetter zum Verhängnis geworden. Er hat eine riesige Welle von seinem Gegner auf der Nebenbahn abwehren können. Die zweite auf ihn zukommende Welle traf ihn so überrascht, dass er leider kenterte.
Nun ist eine Kenterung für einen behinderten TA-Kanuten nicht wie für einen gesunden Kanuten, der einfach aus dem Boot rutscht und schwimmt. Henry ist im Boot festgeschnallt und muss selbst unter Schockreaktionen blitzschnell die Gurte lösen, um ins freie Wasser zu gelangen.
Bei dem eiskalten Wasser war dies für ihn ein Problem, welches vom Land sehr gefährlich und spektakulär aussah. Schade für Henry, wir hätten ihm einen guten Platz gewünscht!

Gerhard B. hatte 17 Gegner in seiner Schadensklasse LTA (Leichtbehindertenklasse), wobei Gerhard von allen Parateilnehmern der älteste Teilnehmer war. In seinem Vorlauf starteten die beiden Weltmeister der Vorjahre und neue blutjunge durchtrainierte Teilnehmer. Es hieß also schon am 16.5.: Alles oder nichts! Nach dem Start war schnell klar, wer sich wieder ins Finale paddelte … Die drei stärksten der letzten beiden Jahre: als Erstes der Tahitianer V. (Weltmeister 2010), dann der Silbermedaillengewinner von 2010 und Bronzemedaillengewinner 2011 G. Bowitzky und als Dritter der Engländer P. Mahomy (Weltmeister 2011).
Nachdem im Vorlauf zu erkennen war, wie stark der Tahitianer V. paddelte, mit welcher Frequenz und Geschwindigkeit er sein Boot bei diesen schweren Wetterbedingungen durch die Bahn bewegte, war klar, wie schwer der Endlauf werden würde.

Beim Endlauf am 17.5. hatten einige Teilnehmer Probleme, bei den Windverhältnissen ihr Boot in den Startschuh zu bekommen. Ein VA, wie ihn G. B. fährt, ist 7 m lang und wiegt 9,8 kg. Dieses Boot muss man erst einmal beherrschen und auch bei schlechtem Wetter navigieren können.
Nachdem der Startschuss fiel, erkannte man schnell, dass G. B. sich sofort um eine Bootslänge absetzte. Die Frage war, kann er die Schlagfrequenz halten? 200 m können lang werden! Reicht seine Kraft bis zum Schluss? Aber G. B. hatte nach 100 m immer noch einen souveränen Vorsprung. Das, was keiner nach dem Vorlauf zu hoffen wagte, trat ein: der Tahitianer V. holte zwar in letzten Drittel mit einer wahnsinnig hohen Schlagfrequenz angsterregend auf … aber es reichte nicht für ihn … Es reichte für unseren Schwedter Paddelhelden!

Im Nachgang erklärte G. B., der beim Vorlauf mit Matthias Englert (Sportwissenschaftler im Kanunationalteam) die Schlagfrequenz und -geschwindigkeit per GPS ausgewertet hatte, dass seine Schlagfrequenz viel zu niedrig sei im Gegensatz zu dem Tahitianer. Wenn man aber schon 57 Jahre ist, im Schnitt mindestens 13 Jahre älter als seine Gegner … kann man aus sportwissenschaftlicher Sicht den Hut vor den bisher erbrachten Leistungen ziehen … Mit dieser Erkenntnis gibt sich aber ein G. B. nicht zufrieden! Deshalb versuchte er im Endlauf so hochfrequent wie möglich zu fahren.
Und er gewann mit dieser Taktik!!!

Um zu gewinnen braucht man die perfekte Minute, eine solide Vorbereitung und auch ein bisschen Glück!
Er wollte nach Silber, Bronze auch noch Gold … und er hat nun endlich Gold!
Aber an aufhören ist nicht zu denken, im nächsten Jahr, wenn die Gesundheit mitspielt, geht´s nach Rio de Janeiro, in das Land, wo Parakanu Normalität ist und einen sehr hohen Entwicklungsstand hat.

Wir freuen uns drauf!

Zur Motivation war eigens aus der Heimat der Fanclub (die Flemsdorfer Haie), Freunde und Kinder angereist. Dies gibt natürlich Auftrieb und rundet dieses Erlebnis noch einmal richtig ab, um diesen Tag als etwas besonderes in Erinnerung zu behalten.

Haryth Bowitzky