Basti bei Basti – ein Wunsch geht in Erfüllung

Viele junge Menschen träumen davon, einmal ihrem Vorbild zu begegnen und am besten noch mit diesem gemeinsame Interessen nachzugehen. So einen Wunsch hegt der gerade gekürte „Schwedter Sportler des Jahres 2015“ Sebastian Girke schon lange. Er wünschte sich einen Trainingstag mit dem Olympiasieger Sebastian Brendel.

Bei dem enormen Vorbereitungspensum für die Olympischen Spiele in Rio hat der Kanute Sebastian Brendel wenig Zeit für solche Termine. Trainingslager in Florida, Portugal, Kienbaum (diese Woche geht es nach Italien), seine Familie und die Sponsoren nehmen seine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch. Aber am 3. März 2016 hatte das Warten für Basti ein Ende. Sein Namensvetter erwartete ihn im Olympiastützpunkt in Potsdam.

Zunächst musste Basti aber noch abwarten, denn das ZDF drehte gerade ein Porträt über die deutsche Olympiahoffnung. Der Aufnahmeleiter war bei der herzlichen Begrüßung mit dabei und lauschte dem „Vorstellungsgespräch“ sehr aufmerksam. Er war begeistert von den beiden Bastis, die so viele Dinge gemeinsam verbindet. Beide haben ihre Wurzeln in Schwedt, Beide haben mit dem Kanusport beim Wassersport PCK begonnen, beide haben alles geschafft, was man dabei erreichen kann. Beide sind Olympiasieger. Beide fahren ein weißes Boot mit roten Schriftzügen, vom gleichen Bootsbauer, beinahe hätten sie am selben Tag Geburtstag und vor allem, beide haben ihr Leben dem Kanusport verschrieben. Wir erhielten Visitenkarte vom ZDF-Aufnahmeleiter mit dem Versprechen, daraus eine „Story“ zu machen.

Zunächst mussten wir Sebastian und seinem Trainer, der auch Bundestrainer für die Disziplingruppe Canadier ist, erklären, wie die Wettkämpfen im Bereich „special olympics“ ausgetragen werden. Auch bei unseren Spitzenathleten gibt es da noch Wissenslücken. Basti erzählte über unser Training zuhause und wie wir uns auf unseren Saisonhöhepunkt die „special olmpics“ Deutschland  im Juni in Hannover vorbereiten.

Dann wurde das Wassertraining vorbereitet. Das Wetter meinte es sehr gut und bescherte uns einen „spiegelglatten See“. Im Gegensatz zu Brendel stellen wir das Wassertraining über die Winterperiode ein. Basti kam aber sofort mit seinem Boot klar. Man merkte nicht, dass er fast 4 Monate nicht im Kajak gesessen hatte. Beim sogenannten GA1-Paddeln (Grundlagen Ausdauer) konnte er gut mit dem C1-Olympiasieger mithalten. Auch bei Beschleunigungsfahrten war er gut dabei. Zwischendurch gab es auch die Möglichkeit für ganz persönliche Gespräche, ohne Trainer!

Nach gemeinsamen Mittagessen in der Kanuscheune trafen wir uns dann im Raum der Leistungsklasse zum Krafttraining. Zunächst wurde an den Standardübungen der Kanuten speziell dem Bankziehen gearbeitet. Mit 60-kg-Hantellast wurde Basti von Sebastian beim Wechselziehen bis an die Grenze seines Leistungsvermögens belastet. Dann gab der Olympiasieger einen Einblick in sein Übungsrepertoire. Basti kannte einige Übungen aus seinem eigenen Training, staunte aber über die vielen Körperkraftübungen und deren sehr exakte Ausführungen. Sebastian erklärte die Übungen und korrigierte die Bewegungsabläufe bei Basti. Auf der Heimfahrt wurden die Übungen im Gedächtnis gespeichert, um sie den Sportlern zuhause zu zeigen und sie mit ihnen zu üben.

Am Olympiastützpunkt in Potsdam, einem der modernsten Bootshäuser der Welt, fanden an diesem Tag Tests für Kader der Nationalmannschaft statt. Im Strömungskanal wurden umfangreiche Tests durchgeführt. Sebastian erklärte uns die Tests. Rennverläufe, bei denen Schlagfrequenzen; Kräftespiele am Paddel und andere biomechanische Parameter ermittelt werden, zeigten, wie das Training wissenschaftlich analysiert und kontrolliert wird. Nach jeder Belastung wurde dann noch Blut für die Bestimmung von Laktatwerten abgenommen. Sebastian hatte diesen Test bereits hinter sich. Mit dem Ergebnis war sein Trainer sehr zufrieden. Sebastian nicht. Das zeigt, wie sehr er auf Rio fokussiert ist. 6 x 1000 Meter in diesem Kanal zu paddeln, ist mehr als ein Härtetest! Beim Test wurden wir noch vom Chef-Bundestrainer Rainer Kießler begrüßt. Er kannte zumindest die Leistung von Basti aus Los Angeles. Er gratulierte noch einmal sehr herzlich und wünschte Basti für die Zukunft alles Gute. Es wurde festgestellt, dass der Wassersport PCK Schwedt, der bisher einzige Verein im Deutschen Kanu Verband ist, dem es gelungen war, im olympischen-, paralympischen und „special olympics“ Bereich Goldmedaillen zu erkämpfen!

Bei der Verabschiedung bekam Basti von Sebastian noch ein Shirt der Nationalmannschaft. Basti hatte auch ein Shirt von LA dabei. Er bat Sebastian dieses von den Sportlern der Nationalmannschaft signieren zu lassen.

Ein erlebnisreicher Tag in Potsdam ging zu Ende. Basti wünschte Sebastian für Rio alles Gute. Er wird zum Endlauf vor dem Fernseher sitzen und ganz fest die Daumen drücken.