Kanu-Weltmeisterschaft in Duisburg vom 8. bis 12. August 2007

Großes Kanuspektakel in Duisburg: Die deutschen Paddler holen 18 Medaillen.

Als der bärenstarke Frauenvierer zum Auftakt der Finals am Samstag mit einem prächtigen Start-Ziel-Triumph für den ersten Sieg Deutschlands sorgte, erscholl der erste Jubelsturm im randvollen Regattastadion. Und es war nicht der letzte Ausbruch lautstarker Freude über gelungene Vorstellungen und nicht das letzte Edelmetall, das die Athleten des deutschen Kanuverbandes bei ihrem „Heimspiel“ aus der Wedau fischten.

Unter dem 32-köpfigen Nationalteam war der gebürtige Schwedter Canadierfahrer Sebastian Brendel, der hier seinen ersten Einsatz in der Leistungsklasse im Vierercanadier über 500 m erhalten sollte. Ziel des Sportsoldaten, der beim KC Potsdam trainiert, war eine Medaille.

Der Vorlauf der deutschen Flotte, bestehend aus Robert Nuck (Magdeburg), Sebastian Brendel, Thomas Lück (Neubrandenburg) und Stefan Holtz (Karlsruhe), der in dieser Zusammensetzung auch schon bei der EM 2007 in Spanien Bronze holte, wurde mit Bravour gemeistert. Durch ihren klaren Sieg konnten sie sich direkt für das Finale qualifizieren. Der 27-jährige erfahrene Steuermann Stefan Holtz sagte: „Das Boot lief wirklich gut, da ist mehr drin!“ Das gab Sebastian, dem erst 19-jährigen Nachwuchstalent in der Nationalmannschaft, natürlich Optimismus und Motivation für das im Zeitplan für Sonntag gesetzte vorletzte Finalrennen. Die nervliche Anspannung wird extrem stark, wenn man nur auf einer Renndistanz starten darf. Man hat nur die eine Chance, seinem monatelangen harten Training die gewünschte Krönung mit einer Medaille aufzusetzen.

Die tolle Atmosphäre an der Duisburger Wedau steigerte sich von Tag zu Tag und nach zwei verregneten Vorlauftagen kehrte ab Samstag endlich auch der Sommer zurück. An den Finaltagen waren die Zuschauerränge ausverkauft und bei jedem Start deutscher Boote kochte die Stimmung so hoch, dass es ein wahres „Sommermärchen„ 2007 wurde. Ein buntes Meer an Deutschlandfahnen und eine so starke Geräuschkulisse, dass der Sprecher vom Zielturm kaum mehr zu hören war. Bei den Rennen gab es oft Dramatik pur, wie beim C2 über 100 m mit Gille und Wylenzek, als das Boot bei 500 m scheinbar hoffnungslos zurück hing und beide dann aber mit einem gewaltigen Endspurt Gold holten. Solche Rennen rissen das Publikum von ihren Sitzen und scheinbar puschte die Kulisse die Sportler zu den oft unglaublichen Leistungen. Eine neue Videoleinwand, die das Verfolgen des Rennverlaufes vom Start bis ins Ziel mit spektakulären Nahaufnahmen und Bildern erlaubte, und eine noch nie da gewesene Medienpräsenz von WDR, ARD und ZDF und hunderten Reportern trug dazu bei, dass der Kanusport mal mehr als nur eine Randsportart war. Mit einer Kanu-WM-Plaza mit vielen gastronomischen und kulturellen Angeboten und Highlights, wie Konzerten von Jan Delay, MIA und Silbermond wurde die Kanu-WM rundum zu einem echten Event. Viele tausend Besucher tummelten sich hier bis tief in die Nächte.

Angestachelt von der guten Atmosphäre ging am Sonntag Nachmittag der Canadiervierer auf Bahn 5, mit Sebastian Brendel an zweiter Position kniend, an den Start zum Finalrennen über 500 m.
Mit kräftigen Schlägen kam das Boot gut aus dem Start und konnte mit der starken Konkurrenz von Rumänien, Ungarn und Belorussland mithalten. Ein packender Kampf um jeden Zentimeter, wobei das deutsche Team seine Bootsspitze bis zur 250-Meter-Marke an die erste Stelle fahren konnte, ließ auch bei den mitgereisten Eltern von Sebastian den Puls bis wohl über 180 schnellen.
In der zweiten Rennhälfte wechselte die Führung an Ungarn. Aber Deutschland und Rumänien blieben dicht dabei und griffen beim Endspurt auf den letzten 100 m nochmals an. Beherzt gaben die vier deutschen Jungs noch mal alles, aber auf der Ziellinie war nur mit der Slow-Motion zu erkennen, dass Ungarn sich nur paar Hundertstel vor Deutschland die Goldmedaille ergatterte und Deutschland Silber gewann, dicht gefolgt von Rumänien.

Schon ein paar Minuten später beim Ausfahren ihres Bootes entlang der Tribüne vor den Zuschauermassen konnten sich die Jungs über ihren tollen Silberrang richtig freuen und jubeln. Der Bootsneuling Sebastian wurde dabei von seiner Bootscrew gleich noch baden geschickt. Bei der Siegerehrung genossen die Zweitplatzierten sichtlich ihren Applaus und den Ansturm ihrer Fans. Kurz darauf wurde das letzte Rennen, der Kajakvierer der Damen gestartet, die mit ihrem fulminanten Kampf Gold holten und somit die deutsche Bilanz von neun WM-Titeln, sechs Silber- und 3 Bronzemedaillen komplettierten.

Für Sebastian stehen nun am folgenden Wochenende die deutschen Meisterschaften in Hamburg an, wo das komplette Nationalteam immer noch mal dabei ist. Am ersten Septemberwochenende fährt der Schwedter zu den U-23 Europameisterschaften nach Belgrad.