Deutsche Einermeisterschaften in Duisburg am 2. und 3. Mai 2009

Im ersten Jahr nach den Olympischen Spielen in Peking werden die Karten für die Bootsbesetzungen im deutschen Kanurennsport neu gelegt. Nach dem Rücktritt der mehrfachen Olympiasieger Andreas Dittmer und Christian Gille, knisterte es im Lager der Canadierfahrer voller Hochspannung. Sebastian Brendel lieferte sich schon 2008 ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Andreas Dittmer um die Olympiatickets. Jedoch konnte er mit den Erfahrungen Dittmers noch nicht mithalten und wurde so als Ersatzfahrer mit nach Peking genommen, kam aber leider nicht zum Einsatz.

2009 wollen nun neben Sebastian Brendel weitere sportliche Größen im Kanurennsport, wie Stephan Holtz, Thomas Wylenzyk und Eric Leue die deutsche Rangliste anführen. Mit dem Start der neuen Saison fiel die Favoritenrolle natürlich erst einmal auf den gebürtigen Schwedter. Vom Jäger des Vorjahres wird man so zum Gejagten. Das ist für den 21-jährigen Sportler, der im September letzten Jahres außerdem eine sportgeförderte Ausbildung bei der Bundespolizei begonnen hat, auch eine schwierige Kopfsache. Nach den Wintermonaten, die jeder Sportler zum Großteil in seinem Verein absolviert, weiß man nie, wo jeder mit seinen Leistungen steht.

Bei der ersten nationalen Qualifikation am Ostersamstag auf der Regattastrecke in Duisburg wurden die 200-m- und die 2000-m-Rennen ausgefahren, die sogenannten Unter- und Überdistanzen, die nicht olympisch sind. Schon hier gab es die ersten Überraschungen. Robert Nuck, der 2008 kaum in Erscheinung trat, trumpfte bei der Kurzstrecke 200 m plötzlich mit einem Sieg auf und erreichte bei 2000 m einen 5. Platz. Das hatte wohl kaum einer auf seiner Rechnung. Sebastian erkämpfte sich beide Male den zweiten Platz und konnte dadurch die Ranglistenführung nach den Auftaktrennen sichern.

Foto: Sebastian in seinem neuen Boot beim Einer-Rennen über 500 m.

Am 2. und 3. Mai standen die Wettkampfstrecken 500 m und 1000 m an, und ganz neu war, dass diese als Deutsche Meisterschaft der Leistungsklasse in den Einerbooten gelten. Katrin-Wagner Augustin, mehrfache Olympiasiegerin, sagte dazu den Medien, jetzt werden die echten deutschen Meister gekürt. Womit sie Recht hat, denn früher lag die DM am Ende der Saison, hinter den internationalen Wetkämpfen, auf die die Weltklasseathleten jeweils mehr Prioritäten setzten. Diese neue Situation gab dem Wochenende noch den besonderen Reiz.

Im Vorjahr holte Eric Leue, der auf dem Trockenen Sebastians guter Kumpel und Zimmerkamerad in Cottbus bei der Polizeiausbildung ist, die Meistertitel über 500 m und 1000 m. Dieses Jahr wollte Sebastian Revanche!

Und es wurden zwei richtig packende Rennen. Beim 500-er Rennen verpatzte Sebastian ein wenig den Start und musste daraufhin eine kämperische Aufholjagd beginnen, der sich am Ende Robert Nuck und Thomas Wylenzik jedoch ergeben mussten. Der für den KC Potsdam startende Brendel konnte seinen ersten deutschen Meistertitel in der Leistungsklasse feiern. Eric Leue erreichte Platz 9. Am Sonntag folgten dann die kräfteraubenden 1000-m –Rennen. Bis zur 500-m-Marke führten Robert Nuck und Eric Leue. Doch dann konnte Sebastian doch wieder seinen „Turbo zünden“ und am Ende einen klaren Sieg nach Hause fahren.

Foto: Robert Nuck (links) mit Silber, in der Mitte Sebastian Brendel mit Gold und rechts Eric Leue mit Bronze. Das war bei der Siegerehrung C1 über 1000 m.

Somit führt der 1,92 groß gewachsene Athlet nun die deutsche Rangliste im Canadierbereich an und konnte klare Zeichen setzen sowie erste Meilensteine auf dem Weg zur diejährigen EM in Brandenburg (Havel) und der WM in kanadischen Dartmouth erreichen. Als nächstes folgen nun die Weltcups in Poznan und Szeged. Dort wird sich zeigen, wo die deutschen Sportler international stehen. Außedem wird der deutsche Kanuverband bei diesen Weltcups die einzelnen Bootsbesetzungen austesten. Der Sommer verspricht also wieder spannend zu werden.