Geführte Landschaftspleinair-Kanutour am 15. Juli 2010

Pünktlich 10:00 Uhr rollten die paddelwilligen Künstler des diesjährigen Landschaftsplenairs auf ihren Drahteseln auf das Gelände des Wassersportzentrums Schwedt. Nachdem die Boote und ihre Besatzungen ausgewählt, die Steuer unter Mithilfe von Kanuführerin Mandy Schliemann und mir eingestellt waren und die Teilnehmer über die Besonderheiten vor Ort belehrt wurden, paddelten die 13 Künstler aus den unterschiedlichsten Ländern unter Leitung von Herrn Dr. Michael Tautenhahn von der Nationalparkverwaltung in Richtung Schöpfwerk zur Umsetzstelle in den Nationalpark. Nach den ersten Metern wurden wir sogar gleich von einem Seeadler, der über unseren Köpfen majestätisch kreiste, begrüßt – welch ein Anblick!

Gespannt auf die bevorstehenden Eindrücke und Erlebnisse paddelten alle bei leichtem Lüftchen und einigen willkommenen Wölkchen auf dem Fittesee los in Richtung Wopagsgraben. Dort zeigten sich als Auswirkung des wochenlangen Hochwassers die ersten umgestürzten Bäume als Hindernisse, die aber von allen im Zick-Zack-Kurs mit Bravour gemeistert wurden. Die schöne Blütenpracht des Blutweiderichs, des Gilbweiderichs, des Pfeilkrauts, des Beinwells und der vielen anderen Blüten, die man in den vergangenen Jahren um diese Zeit dort bewundern konnte, ist in diesem Jahr wegen des Hochwassers noch nicht zu sehen. Dafür konnte man gestern aber phantastische Gebilde am Ufer sehen, die mich an riesige hellbraune hängende Spinnweben oder Gardinen aus alten verwunschenen Schlössern erinnerten - total verrückt, aber trotzdem faszinierend. An einigen Stellen hatten diese "Öko-Gardinen" sogar Muster und zwar aus den kleinen Blättchen der darauf getrockneten Entengrütze. Von unserem Kanuführer Herrn Dr. Tautenhahn erfuhren wir dann, dass diese Gebilde im Zusammenhang mit dem Hochwasser aus den Fadenalgen entstanden sind. Dieser Anblick ließ auch schon die ersten Bilder in den Köpfen der Künstler entstehen . ich bin schon auf die zu erwartenden Kunstwerke gespannt.

Wenn auch die Natur der Zeit noch etwas hinterherhinkt, so waren doch viele Tiere zu beobachten: angefangen vom Seeadler, weiterhin z.B. Milane, Kiebitze, Reiher, Kraniche - die Boten des Glücks, Komorane, Schwärme von auffliegenden Staren, die verschiedensten Enten, ein neugieriger Schwan mit langem Hals am Ufer, an dem wir uns vorsichtig vorbeigeschlichen haben und natürlich tanzten die Libellen überall in der Luft . Die Spuren des Bibers und seiner fleißigen Arbeit waren zwar an vielen Stellen des Ufers zu beobachten, aber er selber zog es selbstverständlich vor, Siesta zu halten, schließlich ist er ja ein dämmerungsaktives Tier. Umso agiler war ein schwarzer Marder am Ufer kurz vor dem Ende der ca. 7 km langen Tour zu beobachten. Sein Interesse an uns schien doch größer als seine Scheu zu sein.

Alles in allem war es wieder einmal eine wunderschöne Paddeltour durch den Nationalpark und ich denke, wir dürfen schon alle gespannt sein, welche Ergebnisse die Künstler uns auf der Ausstellung in der Galerie am Kietz am Ende des Landschaftsplenairs präsentieren werden.

Gudrun Bartels